 :: Wer darf zuerst überfahren werden? :: 13.Dezember 2008:
"Heute ist ein guter Tag für Wolsfeld und für die ganze Region", sagte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Karl Diller, bei der feierlichen Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung Wolsfeld im Zuge der B 257.
Die B 257 ist eine Hauptverkehrsachse in der Südeifel. Von der luxemburgischen Grenze über Bitburg stellt sie die Verbindung zum großräumigen Netz mit der A 60 her. In den Bau der drei Kilometer langen Umfahrung hat das Bundesverkehrsministerium rund sieben Millionen Euro investiert. Neben dem Ausbau und dem Erhalt des bestehenden Bundesfernstraßennetzes gehört der Bau von Ortsumgehungen zu den verkehrspolitisch vorrangigen Aufgaben.
"Mit der neuen Umgehung wird auf dieser Strecke das letzte Nadelöhr, die Ortsdurchfahrt Wolfsfeld beseitigt und die Ortslage künftig von rund drei Viertel des gesamten Verkehrs entlastet. Für die Menschen in Wolsfeld erhöht sich damit die Wohn- und Lebensqualität und für die Verkehrsteilnehmer die Verkehrssicherheit", so Diller.
23.Januar 2009
09.14 Uhr es regnet, kein Wolkenbruch, kein Unwetter – nein – es regnet nur, zwar schon seit gestern Abend, unangenehm, aber kein Weltuntergang. Mit dem Auto fahre ich von Bitburg Richtung Echternach und passiere die 7 Millionen Euro Umgehung. 3 Kilometer – 7 Millionen Euro, also 2,33333 Mio. Euro pro Kilometer.
Wie kommt ein solcher Betrag zustande? Wer sich die Strecke anschaut kann es sich vorstellen. Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann muss der Berg eben zum Propheten, denke ich mir denn hier fehlt ein Berg, oder sagen wir lieber ein Hügel. Durch diesen führt nämlich die 7 Millionen Euro Umgehung. Seitlich, links und rechts sieht man noch seine Reste und mitten durch geht die Straße. Wieso müssen unendliche Kubikmeter Erde abgetragen werden, damit Autos fahren können? Die haben doch alle Ps genug um über einen Hügel zu fahren, wir quälen uns ja Dank der Technik nicht mehr mit Pferdekarren durch die Eifel. Also muss doch der Berg zum Propheten gebracht worden sein...
Deutschland, das Land mit den besten Strassen weltweit! Bei uns sind die Strassen besser in Schuss als die Schulhöfe. Schon immer habe ich mich gefragt, wieso eine mit der Wasserwaage austarierte, breitläufige Straße gebaut werden muss, damit der Verkehr fließt, um dann den Fluss mit künstlichen Hindernissen und „Holperhubbel“ wieder zu entschleunigen.
„Die werden schon wissen was sie tun“ denke ich mir und versuche meinen Sarkasmus zu bremsen als ich wirklich bremsen muss. Ich seh’ einen See, mitten auf der 7 Millionen Dollar Trasse! Auf einem Abschnitt von ca. 30 Metern erschließt sich ein ca. 20 cm tiefer See – mitten auf der Straße.
Wie gut, dass wir diese sichere Ortsumgehung haben, wie kreativ, dass der Verkehr über künstlich angelegte Seen beruhigt wird.
Über 15 Jahre bin ich zwischen Bitburg und Echternach gependelt, nie habe ich einen solch liebevoll angelegten See auf der Straße gesehen, die 7 Millionen sind gut investiert!
„Kann passieren“ denke ich, „vielleicht ist irgendetwas noch nicht fertig, vielleicht ist auch nur ein Kanal verstopft“ es wird eine Begründung geben, irgendein Offizieller wird den See erklären. Das könnte dann so klingen:
„Die Bauabschnittsphase des Projektes B257 war den unberechenbaren Witterungsbedingungen der Südeifel noch nicht angeglichen. Schlickebildung führte zu einer Verstopfung der talseitig gelegenen Rücklaufbecken, demzufolge kam es zu kurzzeitigen Übertritten des Regenwassers auf die Fahrbahn. Das Problem ist behördlich bekannt, Gutachten belegen dass keine baulichen Mängel vorliegen. Das ausführende Unternehmen ist mit der Optimierung der Wasserregulation beauftragt“....
Wir sollten alles so lassen wie es ist und unseren 7 Millionen Euro- See zur touristischen Attraktion erklären. Wer darf schon ohne Umweltschutzbestimmungen zu verletzen mit seinem Auto durch einen See fahren?
Dann komme ich zum x-tenmale an diese Kreuzung, die Kreuzung die man überwinden muss, wenn man nach Ernzen abfährt. Die Kreuzung bei der ich mit meinen Fahrschulkünsten am Ende bin. Einer kommt von vorn, einer von oben, einer von der Seite und quer durch darf auch noch einer fahren.
Kennen Sie die? Jedesmal glaube ich mein Genick vom Orthopäden wieder einrenken lassen zu müssen wenn ich diese Kreuzung bewältigt habe und ich frage mich nur: „wer plant denn so was?“
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